Lebendige Partizipation

Anfang Oktober stellen 20 Künstler auf unserer #part03 Partizipations-Ausstellung aus, deren Arbeiten entweder ästhetisch partizipieren oder den Besucher zur Teilhabe auffordern.

Zur Vernissage mit Happening laden wir am Freitag, 7. Oktober um 18 Uhr in das Haus MUCCA ein (Eintritt für Nicht-Künstler und -Studierende: 5 Euro).

In Kürze veröffentlichen wir an dieser Stelle das Abendprogramm. Ein Einblick sei heute schon vorab gewährt auf Regine Staudenmeyer-Türcks „Konspirative Versammlung“:

003

Sieben Bälger von Regine Staudenmeyer-Türck haben sich hier zu einem konspirativen Zirkel zusammengefunden. Sie sind aus demselben Stoff und haben sich um dieselbe Mitte versammelt. Ihre Antennen, Augen und Ohren spähen nach allen Richtungen.

Der Jazzmusiker Jean-Marie Aubert aus Belfort (Piano, Saxophon, Stimme) hat den sieben Bälgern seine Stimme(n) geliehen und lässt sie zusammen raunen, diskutieren, ein Machtwort versuchen, hohnlachen, lamentieren, streiten…
Kurz: lebendig werden.

Advertisements

3 Leute, 3 Fragen, 3 Themen

Ein E-Mail-Interview mit Anna Hanusch (Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg und Robert Kulzer (Vorsitzender des Bezirksausschusses Berg am Laim)

Foto von Brigitte Mair-Wellner  Hanusch_Foto von Simone Gross

Foto von ANRA

Liebe Frau Hanusch und lieber Herr Kulzer,

vielen Dank für Ihre Eröffnungsgrüße unserer unangepassten Ausstellungen diesen Mai (Foto 1) und Juli (Foto 2, 3) in Ihren Bezirken.

1.) Wie würden Sie Ihre Haltung zur Demokratie beziehungsweise zur Macht zusammenfassen?

Frau Hanusch: Demokratie ist immer wieder eine Herausforderung – es ist anstrengend aber immer noch die beste Regierungsform um für möglichst viele gute Entscheidungen zu treffen und eine Machtmissbrauch von einzelnen langfristig zu verhindern. Dazu müssen die Entscheidungsprozesse transparent sein. Diejenigen mit Macht über Informationen und Entscheidungen müssen immer in dem Bewusstsein leben dass diese Macht nur geliehen ist. Wenn Sie sich an diese Macht klammern oder sie ausnützen gerät die Demokratie in Gefahr.
Das ist sie also eigentlich immer, den Macht verführt dazu sie auszunutzen. Demokratie oder Beteiligung wird aber oftmals missverstanden, dass jetzt jemand genau seine eigenen Interessen durchgesetzt oder vertreten sehen will. Aber es ist ein langer Aushandlungsprozess und erfordert Beharrlichkeit, Geduld und auch Vertrauen.
Herr Kulzer: Diese Frage ist brandaktuell. Vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich noch gesagt, die Demokratie ist die logische und selbstverständliche Staatsform des 21. Jahrhunderts. Alles andere wäre quasi undenkbar gewesen. Aber die Entwicklungen in den letzten Jahren, ja Monaten, zeigen uns, dass Demokratie – und die damit einhergehende Selbstbeschränkung von Macht -, keineswegs als selbstverständlich hingenommen werden dürfen, sondern vielmehr aktiv verteidigt, beschützt und auch wertgeschätzt werden müssen. Demokratie ist verletzlich, das zeigen nicht nur die Ereignisse in Ländern wie Russland, Polen, Ungarn, aktuell Türkei und USA, sondern auch das Geschehen an Stammtischen, auf Marktplätzen und in Parlamenten in Deutschland. Und: Demokratie braucht Demokraten, keine Zuschauer.

2.) Gibt es Werke, Blickwinkel, Positionen, … der #part1/Demokratie- und #part2/Macht-Ausstellung, die Sie – positiv wie negativ – überraschten?

Herr Kulzer: Zunächst einmal war es für mich überraschend, – zumindest auf den ersten Blick -, dass sich Kunst überhaupt so intensiv mit diesen politischen Begriffen befassen will. Politik als Thema besitzt ja zur Zeit nicht so die große Attraktivität. Aber beim näheren Hinschauen kommt dann sehr schnell die Erkenntnis, dass sich Kunst und Politik hier sehr gut ergänzen. Politik, Demokratie gehen uns alle gemeinsam an, ganz gleich, ob wir Künstler sind, Studierende, Kunstinteressierte, Event-Besucher oder ehrenamtlich tätige Bezirksausschussmitglieder. Die Ausstellung im Mai, bei der ich mitwirken durfte, hat es in meinen Augen sehr gut geschafft, einerseits den Blick auf die aktuellen Sorgen und Nöte der Demokratie zu richten, und gleichzeitig deutlich zu machen, was Demokratie für jeden Einzelnen bedeutet – und auch, was das Fehlen von Demokratie bedeuten würde.
Frau Hanusch: Positiv überrascht haben mich die Performances die sowohl im Raum der Unterführung ein ganz neues Gefühl für den Ort entstehen ließen und mich für unserer Sprache begeistert haben, mit der soviel ausgedrückt werden kann durch die Zusammenstellung und Konzentration von eigentlich ganz banal erscheinenden Worten und Sätzen. Und die Freude, dass Kunst immer wieder schafft den Blick zu schärfen und junge und alte Künstlerinnen mit viel Verstand politisch und kritisch die Welt hinterfragen.

3.) Unser Festival #part3/Partizipation wird demnächst, Anfang Oktober, stattfinden. Welche Teilhabe der Konstellation „BA-Künstler-Besucher-Medien“ ist in Ihren Augen möglich bzw. ausbaufähig?

Frau Hanusch: Immer wieder aufs neue Versuche neue Besucherkreise zu erschließen – ich werde im BA noch einmal Werbung machen, denn Haus Mucca liegt ja auch in unserem Stadtbezirk. Bei Partizipation wäre es schön wenn die Kunstprojekte durch die Besucher erweitert und weiter gestrickt werden können.
Herr Kulzer: Partizipation ist in der Demokratie wie in der Kunst wahrscheinlich einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste, Schlüsselbegriff. Demokratie kann ohne Partizipation, ohne die aktive Mitarbeit von möglichst vielen Menschen, nicht funktionieren. Demokratische Wahlen brauchen eine hohe Wahlbeteiligung, damit die Ergebnisse von Wahlen auch akzeptiert und ernst genommen werden. Eine Demokratie, bei der die Mehrheit der Wähler nicht teilnimmt, mag formell noch eine Demokratie sein, aber sie wird irgendwann unglaubwürdig. Mehr noch als Wähler brauchen wir Bürger, die sich aktiv in den demokratischen Parteien engagieren, die an der Zielsetzung und Ausgestaltung der Demokratie partizipieren. Demokratie ist zu wichtig, um sie einigen wenigen Berufspolitikern zu überlassen, das sage ich ganz bewusst.
Aber auch die Kunst lebt von Partizipation. Klar ist Kunst auch Selbstzweck und Selbstverwirklichung, aber die Botschaften, die Kunst vermitteln kann, müssen bei den Menschen schon auch ankommen. Wenn ich den großen Einsatz, den Aufwand und auch die Leidenschaft der Künstler bei vielen Ausstellungen sehe, dann denke ich mir oft, Mensch, da hätten ein paar Besucher mehr jetzt sicher auch Gefallen daran gefunden. Und wo wäre diese Partizipation richtiger und wichtiger als bei einem Event zum Thema Partizipation? Dass das immer besser gelingt, das wünsche ich dem Münchner Festival für unangepasste Kunst.

Merci!

Das Interview wurde durchgeführt von JPG.

Foto 1 von B. Mair-Wellner: Demokratie-Eröffnung in der Galerie LUXESE. Studierende, Gäste (R. Kulzer dritter v. re.) und Künstler (li. ADLER A.F., JPG, Mitte S. Dreßler)
Foto 2 von S. Groß: Eröffnungsgrüße von A. Hanusch zur Macht-Open-Air-Ausstellung in der Unterführung Nymphenburger Schloss/Botanischer Garten
Foto 3 von ANRA: Art-Happening zur Macht-Vernissage

Berlin TO GO

Festivalkünstler zu Gast im MOCTA bei der Langen Nacht der Museen

 

WP_20160827_19_33_32_ProWP_20160827_19_41_58_ProWP_20160827_22_45_28_Pro

JA, WER MACHT DENN SOOO WAS?

Intervention von Elfie Kriester und JPG zum 8-jährigen Bestehen des MOCTA

Sie kommt im Malerkittel daher,

verführt uns mit politkritischen Statements –

aufgeladene Phrasen, die wach rütteln.

MACHT sooo was?

WP_20160827_18_04_09_Pro

Sie vereint Kunst, Musik, Theater, … ,

kombiniert was DADA und FLUXUS verband –

irritierender Nonsens, der in Material und Werktitel erblüht.

WER macht denn sooo was?

Sie arbeitet weltweit mit ihrer Andersartigkeit,

stellt trashigen Müll zur Schau –

wie hier im eigenen Museum.

JA, wer macht denn sooo was?

Unsere ADLER A.F. – und das seit über 40 Jahren!


http://www.neurotitan.de/Galerie/Archiv/2016/160827_trashartdeluxe.html


 

Besatzungsmacht mit Folgen

Alles hat ein Ende, nur Penelopes Kartoffeln haben zwei:

ein leckeres und ein beängstigend gefährliches!

Ausstellung Macht_Foto von Simone Groß.JPG

GEFÄHRLICH – Auf der Straße politisierte jeden Tag eine friedliche Demo während Penelope Richardson ihre schweren „Considering Power“-Kartoffeln abbaute und sich dadurch angreifbar machte.

Ihr Erfahrungsbericht findet sich hier: http://peneloperichardson.com/gallery-view/considering-power-performance/

LECKER – Zu Tisch riefen die Besucher nach der letzten #02-Macht-Ausstellung und verführten Bayerische Gaumen mit gebruzzelten Kunstkartoffeln, wie hier in einem Foto von Daya Sieber.

Kartoffeln danach_ Foto von Daya Sieber

 

Wer hat hier die Macht? IHR habt hier die Macht!

DSC03822

Und da fing es an, das Zweite Wochenende des Festivals für unangepasste Kunst! 🙂
Diesmal unter  dem Motto „Macht! Wem gehört die Stadt? Wer ist das Volk?“

Nach einer Intro von JPG hielt die Stadträtin der  Landeshauptstadt Anna Hanusch ihre Eröffnungsrede. Sie stellte klar, dass das Volk, also du und ich, die Macht haben sollten, und dass wir verantwortungsvoll damit umgehen müssen.

DSC03837

Kunst hängt in Museen? Das war gestern! An diesem Wochenende war der öffentliche Raum Galerie und Projektionsfläche dank kreativer Besetzung. Schon bald füllte sich der Graffiti-Tunnel. Mit ihren Spraydosen haben die Urban Art Künstler Loomit und Co auf virtuose Weise vergessen lassen, dass man sich in einer Fußgängerunterführung zwischen Maria- Ward- Straße und Windrichring befindet. Die perfekte Kulisse für die unangepassten Kunstwerke, die sich wunderbar mit der ‚Untergrund- Kunst‘ verbunden hat.

DSC03835

Drei Studenten vom Department Kunstwissenschaften hielten eine einprägsame Laudatio zur unangepaßten Kunst, während JPG im Zuge der Macht-Ausstellung erneut durch das Programm führte.

Auch Lilly 3,50 war wieder von der Partie. Ihre prosaische  Lesung mit dem Titel  „Vorwärts! Lilly 3,50 zählt aus!“ kann als Fortsetzung ihres Beitrags am ersten Wochende verstanden werden. Natürlich ging es auch bei ihr um die ungerechte Verteilung der Macht. Außerdem stellte sie klar, dass mit ihrem Künstlernamen nicht die Version 3.50 eines x- beliebigen Computerprogramms gemeint sei.

Hintergrund des „Happenings 32“ von JPG und Miniman war das von den alliierten Besatzungsmächten herausgegebene Kontrollratsgesetz Nr. 32 vom Juli 1946, also auf den Tag genau vor 70 Jahren, welches die früheren Arbeitsschutzbestimmungen der Frauen für Bau- und Wiederaufbauarbeiten einschliesslich Aufräumarbeiten teilweise aufhob. So konnten die sogenannten Trümmerfrauen nach dem 2. Weltkrieg ihre Arbeit, den Schutt der zerstörten Häuser wegzuräumen, aufnehmen. Jetzt sind sie wieder gefragt um die politischen Trümmer aufzuräumen…

JPG hatte ihre Schuhe ausgezogen und rhythmisch gegen die Wand geschlagen, ein Rhythmus den sie bereits zu Beginn der Ausstellung direkt unter einem in die Tunneldecke eingebrannten durchgestrichenen Hakenkreuz angeschlagen hatte. Folglich ein einfacher Rhythmus, den das Vernissage- Publikum durch gezieltes Fuß stampfen aufgegriffen hatte und nun erneut erinnerte.  Miniman bewegte sich mit einem Feuerwehr Handmegaphon durch die Menge und rappte seinen Song „Wer hat hier die Macht, ihr habt hier die Macht“ im gleichen Takt.

Auch hielt JPG hielt auch unter ihrem schwarzen Mantel Schätze in Form von Postkarten verborgen, die sie mit der Frage „Haste mal ne Mark“ unter die Leute brachte. Ihr -ironischer Weise auf Plakaten angekündigter- Schwarzmarktverkauf hatte begonnen.

DSC03873

Elfi Kriester machte in ihrer installativen Lesung „Passkontrolle“ auf ein durchaus realistisches Szenario aufmerksam, dass ohne irgendetwas von einem Menschen zu wissen ein Urteil rein auf Basis seines Herkunftslandes gefällt wird. Ein Auftritt der zum Nachdenken anregte.

 

DSC03827

DSC03926

DSC03936

Das Künstlerduo ANRA (Andreas und Ralf Hilbert) war präsent mit einem Zelt aus Plastikplanen. Hier ging es um den gläsernen Menschen, den Überwachungsstaat und die Freiheit. Ein Kronleuchter mit braunen und blauen Keramikaugen anstelle der Glühlampen symbolsierte, frei nach George Orwell, Big Brother, der uns immer und überall, selbst in unserem Zuhause beobachtet.

ANRA zeigte uns auch mehrere beeindruckende Anitkriegskunst Siebdrucke. Auf einem sind Engelwesen erkennbar, die die Läufe von zwei Revolvern blockieren und so Tod und Verderben verhindern. Seit 2005 schreibt das Künstlerduo an ihrem Codex ANRA, auf Leinen und auf Baumwolle geschrieben, bzw. gebrannt. Dabei handelt es sich um einen Lichtcodex in Anlehnung an historische Vorbilder, der eine positive Botschaft vermittelt.  Der genaue Inhalt ist bisher nur dem Künstlerduo selbst bekannt. Zum Thema Macht gibt es auch ein aktuelles Werk: Macht euch selber.

Ein einzigartiger Beitrag kam auch vom Cartoonist Michael Heininger. Kurzer Hand versah er „Fillyponys“, die seiner Meinung nach zum absolut „Kleinkariertesten, das man sich nur vorstellen kann“ gehören, mit Zündhölzern. Mit diesem Werk will er darauf aufmerksam machen, dass Zündstoff von den einfältigen Menschen ausgeht, die nicht einmal davor zurückschrecken Flüchtlingsheime in Brand zu stecken.

DSC03989

Heininger erinnert uns auch daran, dass unsere Stimme gefährliche Personen ans Ruder bringen kann. No More… In diesem Sinne ist auch sein Werk „Wirr ist das Volk“ zu verstehen.

Damit bezieht er Stellung gegen den Spruch „Wir sind das Volk“, der schwarz- rot-  gold geblendeten Pegida „Patr(Id)ioten“, die damit auch jenen Ruf, mit dem Woche für Woche Hunderttausende DDR- Bürger im ganzen Land gegen die politischen Verhältnisse, mit dem Ziel einer friedlichen, demokratischen Neuordnung demonstrierten, verunglimpft.

 

DSC03958 - Kopie

Miniman war sowohl im Happening 32 (siehe oben) als auch mit bildender Kunst vertreten.Er zeigte uns ein zerkratztes Polaroid der Angst, die gerade vor ihrer eigenen Selbstauflösung erschrickt. Laut Miniman ist dies dadurch zu schaffen, in dem man sein Bewußtsein auf den gegenwärtigen Moment richetet, denn so löst sich die Angst auf.

Ausserdem zeigte er sein Werk „Golden Handcuffs, Goldene Handschellen“. Eine gesichtslose Person richtet sich vor dem Spiegel ihre Krawatte. Ihre Hände sind durch goldene Handschellen, an den Handgelenken übergehend in goldene Uhren, gebunden. Sowie unser Streben nach angeblichen „Reichtümern“ uns in Wirklichkeit an unsere Jobs fesselt und uns keine Zeit für die wirklich wichtigen Sachen lässt. „Unsere Zeit ist begrenzt!“ Es wird Zeit die Handschellen loszuwerden, auch goldene Handschellen sind Handschellen. „Grow or die trying!“

Die australische Künstlerin Penelope Richardson  hatte ein Kunstwerk, das aus 75 Kilo  bayrischen Kartoffel in einem Gefahrenquadrat, eingewickelt in ein Absperrungsband, mitgebracht. Und auch überirdisch luden ihre Kartoffelsäcke zur Begehung der Ausstellung ein. Allerdings bekamen diese Säcke, in einer Stadt wie München, bereits nach der ersten Ausstellung Füße und verschwanden spurlos :-)). Für die Künstlerin stehen die Kartoffeln für das Volk und für die Kraft eine Hungersnot mildern zu können. Damit nimmt die Künstlerin Bezug auf eine Geschichte über den Alten Fritz (König Friedrich der Große von Preußen). Damals waren die Zeiten schlecht und als das Volk hungerte, wollte der Alte Fritz seinem Volk die Kartoffel schmackhaft machen. Sie wurde aber vom Volk nicht angenommen und der Alte Fritz griff nach einer List. Er pflanzte in seinem Schlosspark Kartoffeln an, die angeblich nur für ihn und seine Gäste vorbehalten waren. Er ließ den Kartoffelacker, zum Schein sogar bewachen, aber die Soldaten hatten den Auftrag, wegzugucken, wenn Diebe kämen. Und die kamen, denn die Leute waren neugierig und wollten auch des Königs köstliche Knollen kosten. Und bald waren die Kartoffeln Deutschlands Liebingsspeise.

DSC03985

Teile des Kunstwerks plus Siebdruck verkaufte die australische Künstlerin am Ende der Ausstellung mit der Bedingung, Photos vom fertigen Gericht zu verbreiten.
Eine Dokumenation, die vielleicht sogar als Basis für nächste Kunstwerke dienen könnte.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Wochenende für unangepasste Kunst mit Partizipation im Oktober!

Eure Daniela

Heiße Kunst im kühlen Tunnel…

Liebe Kunstfreunde!

Am kommenden Freitag um 18h wird Teil #2 des 2. Festivals für unangepasste Kunst frei nach dem Motto „Uns gehört die Stadt/Wer ist das Volk?“ eröffnet. Ein Event, das euch definitiv die Augen öffnen und den Tunnelblick nehmen wird.

Perfekt zum Thema ist die Location für das Happening im Kunstraumuntergrund im Nymphenburger Tunnel gewählt. Hier werden am Wochenende verschiedenste Kunstwerke inmitten der Kunst des pulsierenden städtischen Lebens präsentiert.

Die Location ist traumhaft, und die Aufbauarbeiten schon voll im Gange.

Verraten wird noch nix, aber wie immer werden die Künstlern rund um Schirmfrau Adler A.F. und Co- Kuratorin JPG ‚Nix Normalix‘ auf die Bühne bringen! Selbstverständlich stehen politisch brisante Themen auf der Agenda 2016.

DSC03790

Freut euch auf die Schirmfrau Adler A.F., JPG, Franziska Agrawal, das Kunstlerduo ANRA, Michael Heininger, Elfie Kriester, Lilly 3.50, MINIMAN, Penelope Richardson und viele mehr!

Wir freuen uns auf euer Kommen und auf ein tolles, unangepasstes Kunsthappening! 🙂

Eure Daniela

 

 

 

 

Art Happening #01: Gerüttelte, geschüttelte Demokratie

Und endlich war es soweit: Freitagabend, den 6. Mai 2016 wurde das 2. Festival für unangepasste Kunst eröffnet!

In der Eingangshalle empfingen zwei Phalli des Münchner Künstlerduos annanatascha die Besucher, dies nachdem ADLER A.F. die Besucher an der Kasse abfing und das Kunsthappening persönlich einleutete. Im Rücken der überlebensgroße, mächtige Phalli, der sich aus verschiedenen Phalli-Fotografien der Münchner Abguß-Sammlung zusammensetzte – eine Kampfansage an alle Kritiker der künstlerischen Freiheit schon zu Beginn der Ausstellung!

DSC03667_2

Unten im Keller hießen Schirmfrau und TrashQueen ADLER A.F. und die Co-Kuratorin Jessica Petraccaro-Goertsches/JPG die fast 130 Gäste in der ungewöhnlichen Münchner Galerie LUXESE herzlich willkommen, sie luden ein, im Zuge des Happenings die Betrachtung der ausgestellten Werke, sowie die (szenischen) Performances und Lesungen zum Thema Demokratie mitzugestalten.

.In seiner Eröffnungsrede zur Demokratie warnte der SPD-Vorsitzende des Bezirksausschusses Berg am Laim, Robert Kulzer, eindringlich vor dem wachsenden Einfluss rechtsextremer Strömungen in Europa und sprach sich ferner offen über gegenseitige Wahlüberraschungen aus: Nicht nur „die Wähler“ wunderten sich des öfteren über politische Entscheidungen, neuerdings wunderten sich auch Politiker über die Abstimmungen des Volkes.

DSC03743_2

Die TrashQueen selbst machte sich in ihrer Ansprache für die Demokratie stark und warnte: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!“ Weiter bezeichnete sie ironisch als größten Feind der Demokratie den Regen, weil dieser die Leute vom Wählen abhält. Mit ihrem für ihre Arbeit eher untypischen, weil farbenfrohen XXXL-Rupfnbild „So bunt war die Demokratie, es war nicht alles schlecht in der Demokratie“ lieferte ADLER A.F. zugleich Lobgesang und Nachruf auf die wahre Demokratie.

Am zweiten Tag des Festivals erklärte sie den Studierenden im Künstlergespräch ihre Arbeitsweise: So arbeitete die Künstlerin in diesen Großformaten mit langen Pinseln auf Baustellengerüsten und verwebte diverse Bedeutungsebenen via codierte Zeichensysteme.

Auffällig war die kuratorische Ausrichtung der Ausstellung: die Sehgewohnheiten auf den Kopf stellend, nahmen z.B. die bereits im ersten Blog erwähnten 40 Fenster (nun Teil der Installation „Nur in Fahrt spürst du den Gegenwind“) einen Großteil des Kellerraumes ein. Dieser Inszenierung ging es um „Transparenz in der Demokratie“ sowie „das Aufzeigen von neuen Wegen“ (das Öffnen von Fenstern und Türen). Andererseits stach eine riesige, quer durch den Raum gebaute Baustelle mit Absperrungsband, losen Kabeln, Paletten, Farbeimern und einer orangenen Farbspur ins Auge: Ein Malheur mit orangener Wandfarbe wurde kurzerhand von der Schirmfrau –frei nach dem Motto „trashiger, als verschüttete Farbe geht’s nicht“– in die Ausstellung integriert.

DSC03645_2 DSC03649 20160506_184307 DSC03675_2

Durch das Vernissage-Programm führte JPG, die selber mit der Installation „Merkels Raute an Münchner Mauer“ vertreten war, in der die Marburgerin eine neutrale Raute in Form eines aufgebogenen Parallellogrammes im vermeintlichen EU-Außenzaun fotografisch dokumentierte. Die Hände der Bundeskanzlerin schienen hier eine Öffnung in den Flüchtlingsabwehrzaun unserer Überflussgesellschaft zu biegen…

DSC03642_2 DSC03690_2

Die amerikanische Künstlerin Eva Kollmar beteiligte sich mit der Installation „Ein Altar für die Demokratie und Dada-Asamlight“. Ideenanreger war ein Zeitungsartikel über ein Naturvolk auf dem Gang zur Wahl gewesen. Die Menschen kamen in ihren besten Gewändern, mit Federn geschmückt und brachten dem „Gott der Wahl“ ihre Gaben in Form von Früchten dar, auch, um ihm Ehre zu erweisen. Mit den Farben der drei Objekte ganz außen nahm Kollmar ferner Bezug auf die Farben der Suffragetten-Frauenrechtsbewegung. Deren Anhängerinnen trugen Kleider in Violett für Würde sowie den Anspruch auf das Wahlrecht, in Weiß für die Unschuld und in Grün für die Hoffnung auf eine politische Reform und die Erteilung des Wahlrechts für Frauen. Angelehnt daran auch der Untertitel „Votewomenvote“! DSC03608_2DSC03612

Der die Installation stützende freihängende Draht verwies außerdem auf die Grenzzäune der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Bedeutend auch dutzende aus Papier gefaltete Himmel-und-Hölle-Figuren, die Gedanken zur Demokratie enthielten; die Besucher waren dazu eingeladen, diese kleinen Faltspielfiguren, die überall in der Galerie verteilt waren, zu entfalten, deren prosaischen Inhalt durchzulesen und davon ausgehend miteinander zu diskutieren.

Mit den Parteifarben Deutschlands spielten die Polit- und Wahlwürfel Eleonora Hofers, die auf die allgemeine Politikverdrossenheit hinwiesen (ist Wählen wirklich nur gedankenloses würfeln?), aber auch Aufforderung und Anspruch an die Bürger waren, zukünftig bei wichtigen Thematiken persönlich Stellung zu beziehen.

DSC03735    DSC03636

 

DSC03702_2

Auf das aktuelle Zeitgeschehen reagierte selbstverständlich auch die TrashQueen in ihrer Performance „Dump Trump“ – ein Aufruf zur Stellungnahme in Form einer harten Abrechnung mit dem Populisten und seinesgleichen.

Und welchen politischen Verweis barg der Kickertisch? Keinen, die Kuratorinnen erinnerten damit an das Fußballwochenende.

 

DSC03745_2

Ebenfalls wörtlich zu nehmen war ADLER A.F.s Installation „Das Internet ist eine feige Sau, anonym beschimpfen geht gar nicht“, bei dem tatsächlich ein rosa Quietscheschwein die Adlersche Sozialkritik transportierte.

Demokratie funktioniert nur mit Wahlgängen, so eröffnete Lilly3,50 ihr eigenes Wahllokal, damit alle Gäste ihrer staatsbürgerlichen Pflicht nachkommen konnten.

weiterlesen

Galerie LUXESE baut auf…..

Foto: Philipp Drieger
Foto: Philipp Drieger

Seit einigen Tagen wird schon fleißig gebohrt und gehämmert für Teil #1 des 2. Festivals für unangepasste Kunst unter der Schirmfrau und TrashQueen ADLER A.F.

Teil #1, weil diesen Sommer noch zwei weitere Happenings stattfinden werden. Aber erstmal Näheres zum ersten Wochenende.

Am Montag durfte ich, als Studentin der Kunstgeschichte, schon einmal einen Blick hinter die unkonventionellen Kulissen werfen und konnte die Entstehung eines Gesamtkunstwerkes live miterleben. Das Gruppenbild oben zeigt die Truppe die am Montag am Werk war: am linken Rand die TrashQueen höchstpersönlich und in der Mitte der hinteren Reihe Jessica Petraccaro– Goertsches aka JPG, die beiden Kuratorinnen.

 Dieses Wochenende wird es um Demokratie, Wahlrecht und daher auch Freiheit, Frieden und Umweltschutz gehen. Die einzelnen Künstler werden ihre Sichtweisen über diese grundlegenden Werte darlegen, sowie Mißstände und Verbesserungen aufzeigen und auch vor brisanten Themen nicht haltmachen. Den Künstlern ist es ein Anliegen zu hinterfragen, Denkanstöße zu liefern, sowie klarzumachen, daß jeder Einzelne zum Erhalt dieser Werte gefordert ist, die keinesfalls als selbstverständlich hingenommen werden dürfen.
Noch stehen, wie ihr den weiteren Bildern entnehmen könnt, in der Galerie unter anderem 40 Fenster, Paletten, Kartons, Geräte und Mülltonnen scheinbar ohne Kontext herum, aber bis Freitag Abend werden einige dieser Objekte, unter der Regie des Kuratorenteams und der Künstler, Teil eines einzigartigen Kunstraums werden. Soviel sei verraten: Die 40 Fenster werden eine große Rolle in einer großformatigen Installation von ADLER A.F. spielen. Ebenso dürfen wir uns auf Auftritte unserer Schirmfrau, der Meisterin der Performance, freuen.

Aber es gibt noch mehr, viel mehr! Über 25 kreative Köpfe aus der lokalen, nationalen und internationalen Szene von Korea bis nach New York zeigen in der offspace Galerie im Untergeschoß der Burggrafenstraße 5 Video– und Objektkunst, Malerei, Collagen, Assemblagen, Performances, Installationen, Improvisations-theater, installative Lesungen, musikalische Experimente, GangstaRap …

Die trashige Location hält was sie verspricht und bietet den perfekten Rahmen für das unangepasste Programm. Dieses verspricht weder Schönmalerei noch Gewöhnliches und schon gar keine Bilder hinter Glas. Vielmehr werden euch unkonventionelle, schrille und schräge Kunstwerke aus ungewöhnlichen, wiederverwertbaren Materialien geboten. Alles in allem ein Fest(ival) für Augen– und Ohren.

Falls ihr allerdings Sekt erwartet: Die Galerie LUXESE (LUXus + askESE) macht auch hier ihrem Namen alle Ehre.

In diesem Blog werde ich versuchen euch regelmäßig auf dem Laufenden zu halten. Jetzt, nach den Wochenenden, und auch zwischendurch werde ich von mir hören lassen.

Ihr seid alle ganz herzlich eingeladen, dieses Kunsthappening mit uns zu erleben.

Wir freuen uns auf Euch! Werdet Teil der ADLER A.F. Bewegung

„In Art We Trust”.

Eure Daniela Muigg– Dauw

 

Festival für unangepasste Kunst 2016

IN ART WE TRUST

Das KuratorenTeam ADLER  A.F. und Jessica Petraccaro-Goertsches aka JPG stellen unangepasste, nicht ästhetisch etablierte und unkonventionelle Malerei, Skulptur, Fotografie, Videokunst, Performance und Musik vor. 

Pressefoto ADLER A.F. & JPG
Pressefoto ADLER A.F. & JPG, Foto: F. Agrawal

Auftakt 6. bis 8. Mai 2016 in der Galerie LUXESE zwischen Luxus und Askese in München, Berg am Laim, Burggrafenstraße 5 direkt hinter dem Ostbahnhof.

Vernissage: Freitag, 6. Mai 20 Uhr, Ausstellung: Sa. u. So. 15 bis 18 Uhr.

http://www.wochenanzeiger.de/article/175515.html

2. Münchner Festival für unangepasste Kunst:

Demokratie – Macht – Partizipation

WWL
ADLER A.F., Müllmenschen, 2007, Aquarell Tusche auf Papier, 100 x 300 cm

„Kunst kann nicht nur dekorieren, sondern die Welt verändern“ meint ADLER  A.F., die Initiatorin des Festivals und knüpft damit „….in Zeiten wie diesen – keine guten Zeiten für Angsthasen!“ an das 1. Münchner Festival für unangepasste Kunst an, das ADLER  A.F. und ihr Team 2014 mutigen, unkonventionellen Künstlerinnen wie Meret Oppenheim, Louise Bourgeois, Louise Nevelson und Hannah Höch gewidmet hatten.

Auch beim 2. Münchner Festival für unangepasste Kunst entsteht eine Plattform im öffentlichen Raum für KünstlerInnen der lokalen, nationalen und internationalen Szene, die sich der unangepassten Kunst verschrieben haben und über eine profunde Ausbildung verfügen. An drei völlig unterschiedlichen Münchner Orten sind Art Happenings geplant, die sich mit hochbrisanten gesellschaftspolitischen Themen wie Demokratie, Macht und Partizipation beschäftigen und durch die Wahl der Räume Zeichen setzen wollen.

adler-a-f-el-latifundista2009-farbpigmente-auf-siloplane-400-x-400
adler-a-f-el-latifundista2009-farbpigmente-auf-siloplane-400-x-400

Bespielt werden eine offspace Galerie in Berg am Laim, eine riesigen Fußgänger Unterführung in der Nähe zum Schloß Nymphenburg und die XXXL-Halle MUCCA im KreativQuartier direkt gegenüber einer Flüchtlingsunterkunft. Das Kuratorenteam JPG aka Jessica Petraccaro-Goertsches/Kunsthistorikerin und TrashArt Künstlerin ADLER  A.F., das enfant terrible der Münchner Kunstszene, präsentieren polit- und gesellschaftskritische Kreativität in all ihren Facetten, Genre – und Generationen-übergreifend in ihrer kulturellen Vielfalt: Video – und Objektkunst, Malerei, Collagen, Assemblagen, Performances, Installation, Improvisationstheater, installative Lesungen und prosaische Delikatessen aus dem Buch einer Literatin aus Dresden, GangstaRap, musikalische Experimente, Spontan-Interventionen und kabarettistische Wortspieler.
Gezeigt wird, was unkonventionell, auf keinen Fall schönmalerisch oder gefällig ist, Arbeiten aus wiederverwertbaren, ungewöhnlichen Materialien, Schrilles, Hässliches, alles, was die Sehgewohnheiten auf den Kopf stellt, schräg und außergewöhnlich, Kunst aus Müll, DADA-Literatur und FLUXUS-Theater.
Provozieren und aufrütteln wollen die beteiligten KünstlerInnen und gleichzeitig Haltung zeigen, Widerstand gegen nationalistische Strömungen, die respektlos humanitäre Werte verhöhnen. Ernst und doch humorig äußert sich ADLER  A.F. „Als werte-orientierte Humanistin und Demokratin bin ich überzeugt davon, dass, wer in der Demokratie schläft, in der Diktatur aufwacht. Deshalb: Leute geht wählen! AfD&co geht gar nicht! Heute sind es die Flüchtlinge, deren Häuser brennen, morgen die Häuser der Moslems, Juden oder KünstlerInnen und übermorgen …? Wer ist eigentlich das Volk? Wem gehört die Stadt?“ Antworten auf diese Fragen wollen die Kunstwerke und das politische Engagement der Beteiligten des 2. Münchner Festivals für unangepasste Kunst aufzeigen. Denn wenn grenzenloses kreatives Agieren ermöglicht wird, kommen bestenfalls Anregungen und Denkanstöße für die BesucherInnen der Art Happenings heraus, wie etwa die Einsicht: Für Freiheit und Demokratie braucht es halt genug Demokraten!